48. Blog - Prozesscoaching für Ärzte

10.11.2020
Warum reden so wenig Ärzte mit ihren Patienten – oder was können wir tun, um ganzheitliche Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten im Krankenhaus zu erreichen – ist sie möglich oder gänzlich unmöglich?
 
© Martin Rosenkranz 
 
Ich hatte in den letzten 3 Monaten die Möglichkeit, in Selbsterfahrung, sprich am eigenen Leibe mehrere Krankenhäuser kennen zu lernen, geniale Operateure, überaus freundliche und fürsorgliche Krankenschwestern und Betreuer und Dank Corona zwanghaft ergebenes Verwaltungspersonal. Als passionierter Organisationsentwickler war ich natürlich voll damit beschäftigt, mit Körper und Geist wahrzunehmen und zu reflektieren, was gerade mit mir in diesen unterschiedlichen Organisationen geschah.
 
 Menschen gehen ins Krankenhaus, um gesund zu werden. Gesundheit bedeutet Wohlgefühl und Schmerzfreiheit für die ganze Person. Das hohe Ziel an Leib und Seele gesund zu sein und zu werden, wieder mehr Harmonie und Ganzheit von Verstand und Gefühl zu erreichen, ist, so unterstelle ich, unser aller Lebensplan. Bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt liegt der Schwerpunkt natürlich nur auf dem unbedingt Notwendigen. Krankenhäuser sind zudem hoch spezialisiert und auf einen Teilbereich der Person konzentriert. Und das ist natürlich gut so. Der Urologe versteht wenig von Orthopädie und der Psychiater kennt Nierenprobleme nur vom Hörensagen. Das gesundheitliche Prinzip der Organisationsentwicklung – die Ganzheit – kann nur wenn es gut geht am Rande mit berücksichtigt werden. Ganzheitliches Fühlen, Denken und Handeln ist also von vornherein in so einem System eine Illusion und ganz besonders in einem Krankenhaus nicht brauchbar – wirklich? Wir können nicht alles wissen und können, ist deswegen auch das berechtigte und beherrschende Argument und nützlich, um sich nicht um das kümmern zu müssen, was nicht zum eigenen Spezialgebiet gehört.
 
Ich kenne einen vortrefflichen Arzt der ist anders. Zu ihm gehe ich regelmäßig vor meinen Veranstaltungen. Er scheut sich nicht, nachdem er meine Ohren behandelt hat, sich für meine ramponierten Kniee, meinen Magen und Darm und welche Folgen der unachtsamen Gebrauch eines Smartphones hat, zu interessieren. Diese nebenbei Gespräche waren wichtige Impulse für meine Gesundheit. Ich habe sie dankbar genutzt.
Normalerweise genügt es dem Chefarzt einer Spezialklinik, hoch professionell Tumore zu entfernen. Wie dieses Wirken die Seele, den Angst – und Sorgenlevel und das Wohlbefinden des Patienten beeinflusst, interessiert meist nur wenn eine Operation nicht geglückt ist und das eigene Image infrage steht.
Auch ich musste der Exzellenz meiner Ärzte Tribut entrichten. Ihr Problem und infolgedessen auch das Problem der Patienten ist ihr Zeitmangel. Technisch hervorragende Ärzte nehmen sich oft nicht mehr die Zeit, dem Patienten zu erklären, was geschehen ist und welche Hoffnungen und Ängste er nun haben dürfe.
 
 Die These, dass einige Minuten eines guten Gespräches von Person zu Person, von Operateur zum Patienten den Heilprozess ziemlich akzelerieren könnte, wird unterstützt von R. O. Becker (1994 S. 136), der von 2 Chirurgen berichtet, die an der gleichen Klinik tätig waren.
 Der eine hatte den Ruf und die Fähigkeiten eines Wunderarztes. „Bei seinen Patienten traten aber regelmäßig mehr postoperative Komplikationen auf als bei den Patienten der anderen Chirurgen.“ An diesem Krankenhaus war noch ein anderer Chirurg tätig, der die gleichen Operationsverfahren beherrschte aber etwas langsamer operierte und deswegen nicht den Ruf des virtuosen Technikers hatte. Der virtuose Chirurg sprach nie mit seinen Patienten und überließ es seinen Assistenten, die Fragen der Patienten zu beantworten. Der andere Chirurg dagegen nahm sich ausgiebig Zeit, mit den Patienten zu sprechen und ihnen Rede und Antwort zu stehen und ihnen in allen Einzelheiten zu erklären, was er vorhatte. „Bei ihm gab es nur halb so viele postoperative Komplikationen wie bei seinem Kollegen.“
 Selbst nur die kurze Bemerkung im Vorübergehen, dass ihm eine kleine Meisterleistung mit dieser Operation gelungen sei, hat bei mir große Hoffnung hervorgerufen und meinen Heilprozess sehr gefördert.
 
Auch ein hoch spezialisiertes Haus der Kranken kann durch ganzheitlich emotionale Rituale zu einer noch besseren Heilstätte und zu einer wirklich heilenden Organisation für seine Klienten werden.
Deswegen empfehle ich allen Ärzten, die ihren Heilungsauftrag ernst nehmen und die bereit sind, nicht nur auf der Handwerks – und Kopfebene tätig zu sein, ihr soziales Verhaltens – und Kommunikationsrepertoire im Umgang mit Patienten zu überprüfen und zu qualifizieren.
 Nach diesen drei für meine Gesundheit so förderlichen Monaten beschäftigt mich die Frage, was ich an unserem ganzheitlich ausgerichteten Managementinstitut an Förderungsmaßnahmen interessierten Krankenhausmanagern und besonders erfahrenen und noch nicht so erfahrenen Ärzten und dem hervorragendem Pflegepersonal anbieten kann, um meine Dankbarkeit für Heilung und gute Begegnung zu zeigen. Mein Nachdenken war erfolgreich. Ich erinnere mich an eine sehr kompetente Absolventin eines unserer Studiengänge.
 
Die junge ganzheitlich interessierte Ärztin Dr. U. Gruber hatte vor Jahren an unserem Institut ein Studium zum Prozessberater in Organisationsentwicklung für Kliniken absolviert. Ich war natürlich ganz begeistert als sie für ihre Projektarbeit, mit dem sie das Studium abschloss und für die Anwendung des Gelernten an der Münchner Klinik Großhadern den 1. deutschen Krankenpflegepreis 2003 erhielt. Was für Ursula Gruber gut war könnte auch für andere Ärzte und Krankenhausmanager recht sein. So steht mein Entschluss fest, im nächsten Jahr wenn Corona bewältigt ist, spezielle Studiengänge in Organisationsentwicklung und Prozesscoaching für Ärzte und Klinikpersonal anzubieten.
An diesem Projekt Interessierte lade ich zu einem kostenlosen Schnuppertag, am 23. April 2021 ein, an dem wir die Ziele und Chancen dieses Studiums erläutern.
+49 89 / 854 90 71 Zur Anmeldung